04.07.2014 / Beelitz
 

Ein Meilenstein im Kulturland Brandenburg

die Spargelstadt Beelitz ist um eine wesentliche Attraktion reicher: Gestern wurde die neue Ausstellung „Reisegelegenheit nach Sachsen. Erfahrbare Nachbarschaft“ in den Räumen der Alten Posthalterei eröffnet. Besucher erhalten hier künftig einen Einblick in die Geschichte der Stadt als Zwischenstation auf der Postkutschen-Strecke von Berlin nach Leipzig im 18. und 19. Jahrhundert. Hier wurden damals die Pferde gewechselt, konnten Passagiere aus- und zusteigen. Unter ihnen waren Persönlichkeiten wie Goethe, Schiller, Bach, Kleist oder Weber. Sabine Kunst, Brandenburgs Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, nannte die Ausstellung in ihrer Ansprache einen „Meilenstein im Kulturlandjahr 2014“. Das steht unter dem Motto „Szenen einer Nachbarschaft“ und thematisiert die Beziehungen zwischen den einstigen Königreichen Preußen und Sachsen.

Untergebracht ist die Beelitzer Ausstellung an einem besonders geschichtsträchtigen Ort: Die Alte Posthalterei wurde 1789 unter dem damaligen Post- und späteren Bürgermeister Gottlieb Ferdinand Kaehne errichtet und diente bis Anfang der 1870er Jahre als Postexpedition mit Pferdewechsel und Gastwirtschaft. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Postkutschen zunehmend durch das wachsende Schienennetz verdrängt. Zu DDR-Zeiten wurde das Haus in der heutigen Poststraße 16 als Standesamt, Bibliothek und Heimatmuseum genutzt. 1967 wurde im Stadtrat diskutiert, es abzureißen – der Antrag wurde glücklicherweise nicht angenommen, wie Bürgermeister Bernhard Knuth zu berichten wusste. Ab 2008 wurde das Gebäude mit Städtebaumitteln umfassend saniert und die Räume im Innern mit ihren einmaligen Wandmalereien rekonstruiert. „Heute haben wir dieses wunderschöne Haus in die Mitte unserer Stadt zurückgeholt. Wir binden es ein in das gesellschaftliche Leben und öffnen es für unsere Bürger und für Touristen.“

Die Ausstellung vermittelt den Besuchern einen authentischen Blick hinter die Kulissen des Postwesens. Zum Einen werden die verwaltungstechnischen Voraussetzungen anhand von historischen Karten und Büchern veranschaulicht, zum anderen kann man das Reisen mit der Postkutsche anhand von Reiseberichten nachvollziehen. Zu den Exponaten gehören auch eine historische Postuniform sowie das Hauptutensil des Postillions: das Posthorn. Die Texte an den Hörstationen sind von bekannten Künstlern wie Herbert Köfer, Andrea Meissner und Hans-Jochen Röhrig eingelesen worden - unentgeltlich. Köfer war mit seiner Frau gestern neben zahlreichen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft selbst vor Ort und trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein – ebenso wie Kulturministerin Kunst.

„Eine Station zwischen den Metropolen Berlin, Potsdam, Leipzig und Dresden zu sein, hat Beelitz über Jahrhunderte geprägt“, erinnerte die Ministerin, „und es ist schon bemerkenswert, wer hier alles pausiert hat.“ Zur Eröffnung gab es einen kleinen Eindruck davon: In Kostümen waren zwei Beelitzer Bürger als Goethe und als Bach zwischen den Gästen unterwegs. Museumsleiter Manfred Fließ indes führte die Besucher stilecht in der Uniform eines Postillons durch die Ausstellung. Die Postgeschichte zu thematisieren würdigte Sabine Kunst als „einen schönen Plan, getragen von dem Enthusiasmus der Verwaltung, der Förderer, Sponsoren und ehrenamtlichen Helfer“.

Die Ausstellung ist ab sofort in den unteren Räumen der Posthalterei, Poststraße 16, zu sehen. Passend dazu gastiert im Obergeschoss gerade die Wanderausstellung „historische Poststraßen“ des 1. Sächsischen Postkutschenvereins. Öffnungszeiten: dienstags und donnerstags von 10 bis 18 Uhr sowie freitags und am Wochenende von 11 bis 16 Uhr. Der Eintritt kostet drei, ermäßigt zwei Euro. Kinder bis sechs Jahre frei. Informationen in der Tourist-Info Beelitz unter (033204) 39 155 sowie auf www.beelitz.de

 
Text   © Thomas Lähns - Pressesprecher Stadt Beelitz

 
  
  
   
  

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